01.10.2014
"eGovernment MONITOR 2014" präsentiert

Nutzung und Akzeptanz von digitaler Verwaltung in Österreich und im internationalen Vergleich

Österreich ist in der Nutzung von E-Government weiterhin an der Spitze der untersuchten Länder (2013: 65 Prozent / 2014: 72 Prozent).

  • 2,4 von durchschnittlich 8 Behördenkontakten im Jahr erledigen die Österreicher bereits online.
  • Wie in 2013 sind 63 Prozent der befragten Bürger sind mit dem Online-Angebot der Behörden in Österreich zufrieden.
  • Kritik gibt es für die mangelnde Bekanntheit von bestehenden digitalen Angeboten (81 Prozent).
  • Angst vor Datendiebstahl nimmt in Österreich weiter leicht zu (2012: 5 Prozent / 2013: 55 Prozent / 2014: 62 Prozent).
  • 18 Prozent der Online-Bevölkerung besitzen eine Bürgerkarte und 21 Prozent die Handy-Signatur

Gemeinsam mit zwei Kooperationspartnern von Mehreren, der Plattform Digitales Österreich und dem weltweit tätigen IT-Beratungsunternehmen CSC, präsentierte die deutsche Initiative D21 die Ergebnisse des "eGovernment MONITOR 2014" im Rahmen eines Pressegesprächs. Die Untersuchung der Initiative D21 und ipima (institute for public information management an der TU München) liefert seit 2010 jährlich ein umfassendes Bild über die E-Government-Situation in Österreich und ermöglicht den internationalen Vergleich mit Deutschland, der Schweiz und Schweden. Dazu gehört neben Nutzung, Zufriedenheit, Treibern und Barrieren auch die Evaluierung verschiedener Ansätze.

Österreich liegt mit 72 Prozent Nutzern von E-Government weiterhin an der Spitze der untersuchten Länden, auch die Zufriedenheit mit den vorhandenen Angeboten ist in Österreich unverändert groß (63 Prozent). Gleichzeitig geben aber 81 Prozent der Befragten an, dass sie Online-Angebote nicht intensiver nutzen, weil ihnen viele davon unbekannt sind, so die Ergebnisse des E-Government-Monitor 2014.

Die Untersuchung zeigt, dass zwar nur 18 Prozent der Österreicher eine Bürgerkarte (Karte mit aktivierter Bürgerkartenfunktion, z.B. E-Card) besitzen, jedoch 21 Prozent bereits die Handy-Signatur (die der Bürgerkarte gleichgestellt ist) aktiviert haben, weitere 16 Prozent planen deren Nutzung. Die Bürgerkarte wird vor allem für den Einstieg in FinanzOnline (von 68 Prozent der Bürgerkartenbesitzer) sowie für den Zugang zu den Sozialversicherungsdaten (von 45 Prozent) genutzt.

Aufgeschlossen sind die Österreicher gegenüber der Nutzung mobiler Endgeräte (Smartphone, Handy) für Behördengänge: Zwei Drittel der Befragten finden diese Möglichkeit zumindest "wichtig". Österreichische Bürger zeigen auch ein vergleichsweise starkes Interesse an Open Government, vor allem im Hinblick auf die zukünftige Nutzung. 81 Prozent wollen so erfahren, wie Behörden ihre Daten nutzen und 72 Prozent hoffen, dass die Verwaltung über Open Government frühzeitig erfährt, was Bürger bewegt.

Christian Rupp, Sprecher der Plattform Digitales Österreich, zeigt sich mit den Ergebnissen durchaus zufrieden: "Die Nutzung von E-Government-Services ist in Österreich am höchsten im Ländervergleich. Die Nutzungsrate steigt jährlich vor allem durch das Bürgerportal www.HELP.gv.at und das Angebot am Unternehmensserviceportal www.USP.gv.at. Die Handy-Signatur und unsere auch mobil verfügbaren E-Services sind eine Antwort auf die Studienergebnisse, die zeigen, dass E-Government sicher, einfach, mobil und kundenorientiert sein muss." Vor allem im bundesweiten Open-Government-Data-Portal (www.data.gv.at) sieht Rupp großes Potenzial: "Open Government Data sind eine Chance für Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft, gemeinsam einen Mehrwert aus nicht personenbezogenen Daten zu erzielen", so Rupp.

In diesem Zusammenhang warnt Philipp Müller, Director Public Affairs bei CSC, vor falsch verstandenem Sparwillen: "Kürzungen bei den IT-Ausgaben sind im Zeitalter der Digitalisierung fatal und bringen wenig bis gar nichts. Sparen durch intelligenten Einsatz von IT ist überall in der Verwaltung möglich. Wir müssen dann aber auch wirkliche Organisationsreformen durchsetzen.

Die 'Elektronifizierung' von Papier-Prozessen alleine führt nämlich nicht zu Einsparungen." Im Hinblick auf Sicherheitsbedenken seitens der Bürger meint Müller: "Es gibt keine ein-dimensionalen Lösungen beim Thema Sicherheit. Nur wenn wir die multidisziplinären Kompetenzen aufbauen und Juristen mit Technikern zusammenbringen, können wir digitale Souveränität gewährleisten."

"Trends wie Cloud, Mobile und Big Data verändern, wie wir staatliches Handeln organisieren. Es geht hier nicht um technische Fragen, sondern um Management und gesellschaftsrelevante Fragestellungen. Das muss auf oberster Ebene erkannt und umgesetzt werden", so Müller weiter.

Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin der Initiative D21 ergänzt:
"Für Wirtschaftsunternehmen und Bürger ist Verwaltung ein Standortfaktor. Der "eGovernment MONITOR" zeigt in diesem Jahr deutlich, dass eine moderne Verwaltung zwingend zur digitalen Lebenswelt der Bürger passen muss. Die Menschen in Österreich geben an, durchschnittlich acht Mal im Jahr Kontakt zu den Behörden zu haben. Darunter sind bereits 2,4 Online-Kontakte. Wir sind überzeugt, dass Verwaltung zur Bremse im System wird, wenn sie sich nicht den Lebens- und Wirkungsrealitäten der Bürgerinnen und Bürgern anpasst."

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